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Kaufen oder Verkaufen?

 

Die Frage "Sell in May?" hat der Markt sehr eindeutig beantwortet. Zwischenzeitlich haben sich die Kurse wieder etwas erholt. Worauf müssen Sie sich in den kommenden Monaten einstellen? Damit Sie Ihre Anlageentscheidung richtig treffen, hier ein paar Überlegungen zur aktuellen Börse.

 

Am Rentenmarkt scheint die FED ihre Zinserhöhungen für die USA zunächst aussetzen zu wollen. Die jüngsten Daten deuten sogar auf eine leichte Abkühlung der US-Konjunktur hin. Jetzt schon allerdings von einer Zinswende zu sprechen, kommt Monate, wenn nicht sogar ein Jahr zu früh. Für Europa hingegen sind zwei weitere Erhöhungen des Leitzinses nach Meinung

der meisten Volkswirte so gut wie beschlossen. Mein Renditeziel für 10-jährige Bundesanleihen per Jahresende/ 1. Quartal 2007 liegt bei 4,25 - 4,5 % , Pfandbriefe werden sogar noch 15-20 Stellen höher notieren. Meine Befürchtung ist nämlich, das die Inflationsdaten in der Eurozone in den nächsten Monaten eher unerfreulicher ausfallen werden und wenigstens die Befürchtungen der Märkte über eine noch restriktivere

Notenbankpolitik dann schnell zurückkehren.

 

An den Aktienmärkten hat sich das Klima nach dem Ausverkauf im Mai/Juni zunächst spürbar beruhigt. Der Dax scheint in einem Band zwischen ca. 5250 und ca. 5900 gefangen. Für die Markttechniker würde ein Unter-bzw. Überschreiten dieser Marken ein sehr deutliches Verkaufs- bzw. Kaufsignal setzen. Ein Überschreiten der Obergrenze ist nicht völlig ausgeschlossen, sollte allerdings nur ein Intermezzo bleiben und stellt, vor allem bei Erreichen der Jahreshöchstkurse um 6200 im Dax eine nochmalige sehr gute Verkaufsgelegenheit dar. Fundamental kommen mir für den Aktienmarkt Zweifel, ob sich das Gewinnwachstum für die deutschen Unternehmen im nächsten Jahr so fortsetzen lässt. Vor allem Unternehmen, die stark an der deutschen Binnenkonjunktur hängen, werden die Reaktion der Bundesbürger auf Mehrwertsteuererhöhung und Gesundheitsreform noch zu spüren bekommen, zumal die Reallöhne wohl auch weiterhin nicht stark steigen werden und die Ausgaben für Heiz- und Transportenergie nicht wesentlich fallen, sondern teilweise sogar noch steigen können.

 

Wir sollten uns mit dem Gedanken anfreunden, das der Dax, aber auch die übrigen europäischen Aktienmärkte, in der nächsten Zeit wohl eher Tradingmärkte bleiben werden. Ein Unterschreiten der Tiefstkurse vom Januar (um die 5300) könnte allerdings nochmal wesentlich niedrige Kurse zwischen 4500 - 4800 provozieren. Auslösen könnte einen solchen Rutsch ein weiterer Wertverfall des US-$, der durch die sinkende Zinsattraktivität zum Euro durchaus wieder in Richtung 1,35-1,40 fallen könnte.

 

Mutige Anleger kaufen den Gesamtmarkt um die 5300, halten sich aber soviel Pulver trocken, dass sie auch wenn diese Marke nicht halten sollte, bei 10 - 15 % niedrigen Kursen nochmal dabei sind.

 

 

Glückliche Anlagenentscheidungen wünscht

Jörg Zehrfeld

 



Disclaimer: Die in diesem Artikel getätigten Angaben dienen nur der Unterstützung Ihrer selbstständigen Anlageentscheidung und stellen keine Empfehlung zum Abschluss/Kauf/Verkauf oder Halten dieser Finanzanlage dar. Eine Haftung jedweder Art vom Autor oder extempore.de ist ausgeschlossen. Auch für die Vollständigkeit und/oder Richtigkeit dieser Informationen können wir keine Gewähr übernehmen. Für alle Wertpapiere gilt: Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für eine entsprechende Wertentwicklung in der Zukunft.

 

17.08.06 Jörg Zehrfeld